Balkonkraftwerk in der Wohnung – eigener Sonnenstrom vom Balkon?
Die Sonne scheint auf den Balkon, die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist aber weit entfernt? Genau hier kommen sogenannte Balkonkraftwerke ins Spiel. Die kleinen Photovoltaikanlagen ermöglichen es auch Bewohner:innen von Wohnungen, einen Teil ihres eigenen Stroms zu erzeugen und damit einen Beitrag zu nachhaltiger Energiegewinnung zu leisten.
Doch darf man ein Balkonkraftwerk in einer Eigentumswohnung oder Mietwohnung einfach montieren? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein und worauf sollte man als Bewohner:in eines Mehrparteienhauses achten?
Gerade in Städten wie Wien, wo viele Menschen in Mehrparteienhäusern leben, bieten Balkonkraftwerke eine Möglichkeit, auch ohne eigenes Hausdach erneuerbare Energie zu nutzen. Ein sonniger Balkon kann dabei einen kleinen, aber wertvollen Beitrag zur eigenen Stromversorgung leisten. Gleichzeitig müssen rechtliche Vorgaben und die Besonderheiten des jeweiligen Wohnhauses berücksichtigt werden.
Was ist ein Balkonkraftwerk?
Ein Balkonkraftwerk – auch Steckersolargerät oder Mini-Photovoltaikanlage genannt – besteht in der Regel aus Solarmodulen und einem Wechselrichter. Die Module wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um, die anschließend direkt im eigenen Haushalt genutzt werden kann.
Der erzeugte Strom kann beispielsweise für Kühlschrank, Router, Beleuchtung oder Computer verwendet werden. Je mehr Strom direkt im Haushalt verbraucht wird, desto größer ist der Nutzen der Anlage.
Besonders sinnvoll ist ein Balkonkraftwerk, wenn tagsüber regelmäßig Strom benötigt wird – beispielsweise durch Haushaltsgeräte, Homeoffice oder elektronische Geräte im Stand-by-Betrieb. So kann ein Teil des eigenen Stromverbrauchs direkt mit Sonnenenergie gedeckt werden.
In Österreich gelten Balkonkraftwerke mit einer Wechselrichterleistung von bis zu 800 Watt als Kleinsterzeugungsanlagen. Diese müssen beim jeweiligen Netzbetreiber gemeldet werden, sind aber genehmigungsfrei.
Balkonkraftwerk in der Eigentumswohnung – die privilegierte Maßnahme
Für Wohnungseigentümer:innen wurden die Möglichkeiten zur Installation von Steckersolargeräten erleichtert. Durch Änderungen im Wohnungseigentumsgesetz wurde die Errichtung solcher Anlagen als privilegierte Maßnahme aufgenommen.
Gemäß § 16 Abs. 5 Wohnungseigentumsgesetz (WEG 2002) kann die Anbringung eines Steckersolargeräts grundsätzlich durchgeführt werden, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden. Das Vorhaben ist den Eigentümern bekannt zu geben und diese haben die Möglichkeit binnen 2 Monaten zu widersprechen. Andernfalls gilt das Vorhaben als genehmigt.
Trotz dieser Erleichterung gilt: Ein Balkon, eine Fassade oder ein Geländer gehören häufig zu den allgemeinen Teilen der Liegenschaft. Eine Montage darf daher nicht ohne Rücksicht auf die Gebäudesubstanz, Sicherheit oder das äußere Erscheinungsbild erfolgen.
Unser Tipp: Informieren Sie sich frühzeitig und kontaktieren die Hausverwaltung, die Ihnen weitere Auskünfte erteilen kann. So können spätere Konflikte vermieden werden.
Balkonkraftwerk in der Mietwohnung – was gibt es zu beachten?
Auch Mieter:innen können grundsätzlich von einem Balkonkraftwerk profitieren. Allerdings ist hier zusätzlich das Verhältnis zwischen Mieter:in und Vermieter:in zu beachten.
Eine einfache, mobile Lösung ist anders zu beurteilen als eine fixe Montage am Balkongeländer oder an der Fassade. Sobald bauliche Veränderungen vorgenommen werden oder das äußere Erscheinungsbild des Hauses betroffen ist, muss in der Regel die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden.
Gerade in Mehrparteienhäusern ist ein gemeinsames Verständnis wichtig: Eine sichere Montage schützt nicht nur die eigene Wohnung, sondern auch Nachbar:innen und das gesamte Gebäude.
Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?
Damit ein Balkonkraftwerk sicher betrieben werden kann, sollten einige Punkte beachtet werden:
- Die Wechselrichterleistung darf die gesetzliche Grenze von 800 Watt nicht überschreiten.
- Die Anlage muss fachgerecht installiert und für den Betrieb geeignet sein.
- Die Befestigung muss sicher erfolgen und auch Windbelastungen standhalten.
- Die elektrische Installation der Wohnung muss geeignet sein.
- Es dürfen keine ungeeigneten Verlängerungen oder Mehrfachsteckdosen verwendet werden.
Die elektrotechnischen Anforderungen orientieren sich unter anderem an den geltenden OVE-Regelwerken für elektrische Anlagen und Photovoltaiksysteme.
Welche Risiken gibt es?
Auch wenn Balkonkraftwerke klein und einfach wirken, gibt es einige Punkte, die nicht unterschätzt werden sollten.
Sicherheit bei der Montage:
Eine schlecht befestigte Anlage kann bei Sturm oder starkem Wind zur Gefahr werden.
Schäden am Gebäude:
Bohrungen oder ungeeignete Befestigungen können Fassaden, Abdichtungen oder Balkonkonstruktionen beschädigen.
Elektrische Sicherheit:
Nur geprüfte Geräte und eine fachgerechte Installation gewährleisten einen sicheren Betrieb.
Haftungsfragen:
Wer eine Anlage betreibt, trägt auch Verantwortung dafür, dass davon keine Gefahr für andere Personen oder das Gebäude ausgeht.
Wie viel Strom kann ein Balkonkraftwerk erzeugen?
Der tatsächliche Ertrag hängt von mehreren Faktoren ab:
- Ausrichtung des Balkons (optimal sind Süd-, Südost- oder Südwestausrichtungen)
- Verschattung durch Gebäude oder Bäume
- Neigungswinkel der Module
- Anzahl und Leistung der Module
Eine typische Anlage mit bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung kann – abhängig von den Standortbedingungen – ungefähr 600 bis 900 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen.
Zum Vergleich: Dieser Ertrag kann einen Teil des jährlichen Stromverbrauchs eines Haushalts abdecken und insbesondere Geräte mit dauerhaftem Grundverbrauch unterstützen.
Fazit: Kleine Anlage, großer Beitrag
Ein Balkonkraftwerk kann auch in einer Wohnung eine interessante Möglichkeit sein, erneuerbare Energie zu nutzen und den eigenen Stromverbrauch bewusster zu gestalten.
Wichtig ist jedoch: Nicht nur die Sonne entscheidet über den Erfolg – auch die richtige Planung, eine sichere Montage und die Abstimmung mit Hausverwaltung oder Eigentümerseite spielen eine entscheidende Rolle.
Die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen im Wohnbereich steigt stetig. Balkonkraftwerke zeigen, dass auch kleine Maßnahmen einen Beitrag zu einem bewussteren Umgang mit Energie leisten können. Entscheidend ist dabei nicht nur die Nutzung der Sonnenenergie, sondern auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Immobilie und der Gemeinschaft im Haus.
Unser Tipp: Informieren Sie sich vor der Installation über die technischen Voraussetzungen und rechtlichen Rahmenbedingungen. So können Sie die Vorteile der Sonnenenergie genießen und gleichzeitig die Sicherheit Ihrer Immobilie gewährleisten.
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